Tagesausflug nach Kawagoe

Kawagoe liegt etwa 1,5 Stunden Zugfahrt von Tokio entfernt. Im 16. Jahrhundert war die Stadt für damalige Verhältnisse sehr gross und wurde daher „Klein Edo“ genannt. (Edo war der frühere Name Tokios, bevor die Hauptstadt von Kyoto nach Edo/Tokio verlegt wurde.)
Kawagoe hat eine wunderschöne historische Strasse mit vielen Geschäften, dazu einige sehr schöne Tempel und Schreine sowie einen Teil des ehemaligen „Kawagoe Castle“.

Unsere Gruppe traf sich um 9 Uhr, und gemeinsam besuchten wir einige dieser Sehenswürdigkeiten. Natürlich nutzte ich die Gelegenheit, mein Goshuin-cho in den Tempeln und Schreinen weiter zu füllen. Beim Kawagoe Castle erhielten wir sogar eine Führung.

Der ältere Herr, der uns führte, sprach zwar Englisch, das für mich schwer zu verstehen war, aber er trug alles mit so viel Elan vor, dass es trotzdem fesselnd war. Man spürte seine Leidenschaft für die eigene Kultur.

Am Hikawa-Schrein zog ich mir ein Orakel. Es versprach mir „leichtes Glück“ – interessant war es auf jeden Fall, das einmal auszuprobieren.

Danach ging es weiter in die Altstadt. Von hier aus trennten sich ein weiterer Eidgenosse 🙂 und ich von der Gruppe, da wir uns nach der freien Zeit ohnehin nur noch am Bahnhof getroffen hätten.
Zuerst probierten wir Süsskartoffel-Chips, die allerdings nicht besonders überraschend schmeckten.

Beim weiteren Herumlaufen fiel mir ein Schild an einer Ladentheke auf, das mich irgendwie anzog. Wir gingen hinein – und entdeckten Früchte-Daifuku. Das sind Früchte, umhüllt von einer Gyuhi-Hülle (einer weichen Reiskuchen-Variante). In Japan legt man grossen Wert auf die Präsentation, daher bekommt man zum Daifuku eine Schnur, mit der man ihn halbieren kann, um den Inhalt zu präsentieren. Ich probierte eine Erdbeer- und eine Mango-Variante – beide waren unglaublich lecker.

Danach wollte ich noch 1–2 weitere Goshuin ergattern. Das lohnte sich richtig: Unser letzter Halt war der Kita-in-Tempel. Zunächst wussten wir gar nicht, dass es sich für uns auszahlen würde, und gingen zielstrebig zum „Waschbecken“, um uns traditionell die Hände und den Mund zu waschen.
Da sprach uns ein Tour-Guide an, begeistert darüber, dass wir uns korrekt verhalten hatten. Im Gespräch erfuhren wir, dass er ehrenamtlich für den Verein „English Friendly Town“ arbeitet und jeden Sonntag kostenlose englische Touren im Kita-in anbietet.

Da wir nun nicht mehr an die Gruppenaktivität gebunden waren, nahmen wir uns die Zeit – und erfuhren eine Menge spannender Fakten:
– Der Tempel wurde um 830 n. Chr. erbaut.
– Der Tempelpriester Tenkai war Berater der ersten drei Tokugawa-Shogune und wurde 108 Jahre alt.
– Im Gebäude neben dem Tempel hielten sich diese drei Shogune regelmässig auf, und der dritte Tokugawa-Shogun wurde dort geboren.
– Es gibt dort 580 Steinstatuen, welche für Buddha als Helfer erstellt wurden.

Es gab noch viele weitere Informationen, aber ich verschone euch hier mit den Details. Fest steht: Durch meine Suche nach Goshuin haben wir einen sehr geschichtsträchtigen Ort entdeckt – so etwas hätte ich mir ehrlich gesagt auch als Teil der offiziellen EF-Aktivität gewünscht.

Zum Abschluss habe ich alle fünf besuchten Tempel und Schreine in meinem Goshuin-Blog erfasst. Falls ihr die Bilder dazu sehen wollt, findet ihr hier die direkten Links.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert