Da ich den Blog auch ein Stück weit als Tagebuch nutze, will ich hier etwas ausführlicher meine Gedanken zur Schule festhalten – auch, um später nachvollziehen zu können, wie ich es damals empfunden habe.
Themen und Inhalte:
Die behandelten Themen sind bisher sehr stark auf Selbstvorstellung und persönliche Angaben zugeschnitten: Name, Herkunft, Alter, Familie, Alltag, Ess- und Trinkgewohnheiten usw. Grundsätzlich macht das sicher Sinn für Langzeitstudenten, die über ein oder zwei Semester hinweg Schritt für Schritt ihr Vokabular und ihre Ausdrucksweise aufbauen. Für kürzere Aufenthalte – wie bei mir – sind diese Themen aber kaum praktisch anwendbar. In Japan gibt es kaum Smalltalk, und bisher hatte ich noch nie die Gelegenheit, jemanden damit zu beeindrucken, dass ich meinen Tagesablauf auf Japanisch herunterrattern kann. Viel nützlicher wären Themen wie „Wie bestelle ich im Restaurant?“, „Wie frage ich nach dem Weg?“ oder „Wie gehe ich mit alltäglichen Situationen um?“ – also Dinge, die ich wirklich draußen täglich brauchen und üben könnte.
Unterrichtsstil:
Was mich ebenfalls beschäftigt: Manche Übungen wiederholen wir viermal exakt gleich, fast schon stupide, und ich habe das Gefühl, dadurch kaum etwas Neues mitzunehmen. Andere Themen wiederum fliegen wir so schnell durch, dass ich nicht die Zeit habe, alles wirklich zu verstehen oder nachzufragen. Besonders schwierig finde ich die Hörübungen: Da kommt oft Vokabular vor, das wir vorher noch nie hatten. Man soll aber trotzdem die relevanten Informationen heraushören. Für Fortgeschrittene vielleicht machbar, aber für Anfänger ist es extrem schwer, weil man nicht weiß, wo das eine Wort endet und das nächste beginnt. Im Japanischen werden die Silben eben fließend aneinandergereiht, und das macht es für mich manchmal sehr schwer, den Faden zu behalten. Da hilft es auch nicht, dass der Lehrer die ganzen Aufträge auf japanisch erteilt. Gestern war so ein Moment, wo alle 10 Schüler der Klasse sich mehrere Minuten sich gegenseitig angeschaut haben, in der Hoffnung jemand anderes hat den Auftrag verstanden.
Projektarbeiten:
Ein großes Thema sind die wöchentlichen Projektarbeiten. Wir haben dafür gerade mal zwei Stunden Zeit, in denen wir das Thema erarbeiten, die Texte schreiben, eine Präsentation gestalten und dann alles üben sollen. Der Umfang ist zwar nicht riesig (meist um die 10 Sätze), aber was mich wirklich nervt, ist die Art der Bewertung. Statt sich auf Grammatik, Satzbau oder Vokabular zu konzentrieren, fließen auch Präsentationstechniken, grafische Gestaltung und die „Interaktion mit dem Publikum“ in die Note ein. Ganz ehrlich: Ich habe keinen Kurs für Rhetorik oder PowerPoint-Design gebucht, sondern einen Sprachkurs. Einige schwächere Schüler schreiben ihre Sätze einfach auf, fotografieren sie und lesen dann ab – und werden dafür doppelt „bestraft“, weil sie weder Zeit für schöne Grafiken hatten noch frei sprechen konnten. Das frustriert mich ein bisschen, auch wenn ich bisher damit noch zurecht komme, weil es für mich nicht den Kern des Sprachlernens trifft.
Mein persönliches Fazit bisher:
Ich merke, dass ich durch den Unterricht schon einiges lerne, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Potenzial verschenkt wird. Gerade für Leute wie mich, die „nur“ ein paar Wochen bleiben, wäre ein stärkerer Fokus auf Alltagssprache viel hilfreicher. Dies wiederspiegelt damit auch nicht den Aufwand den ich dafür betreibe. Viel lernen aber es nicht praktisch anwenden können. Ich werde sicherlich für mich persönlich weiterhin japanisch lernen, denn ich finde es eine schöne Sprache und das Land, die Menschen und die Kultur gefällt mir sehr, aber zukünftig wohl ohne Sprachschule.