Heute war mein letzter großer Ausflug von Sendai aus. Da es der schönste Tag dieser Woche war, stand fast schon eine kleine Wanderung an. Ich begab mich nach Yamadera, ein kleines Dorf im hügeligen Inland. Schon die Zugfahrt war interessant, denn sie führte durch ein Tal auf die andere Seite einer Hügelkette. Ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt über eine so lange Strecke nur dichten Wald ohne jegliche Spuren menschlicher Besiedlung – außer der Bahnstrecke selbst – gesehen habe. Ein Bahnhof unterwegs bestand wirklich nur aus einem kleinen Häuschen. Warum es dort überhaupt einen Halt gab, konnte ich nicht erkennen; weit und breit war weder ein Gebäude noch eine Straße zu sehen. In der Schweiz fährt man mit dem Zug ja fast immer parallel zu einer Straße oder sieht wenigstens eine aus der Ferne. Hier war es wirklich nur Wildnis. Yamadera selbst ist ein kleines Dorf mit rund 2000 Einwohnern.
Was führte mich nun an einen so abgelegenen kleinen Ort, fragt ihr euch wahrscheinlich. Dort gibt es einen Bergtempel – genauer gesagt einen ganzen Tempelkomplex, bestehend aus mehreren Gebäuden, die über 1000 Stufen den Hügel hinauf verteilt sind. Von oben hat man einen fantastischen Blick über das Tal. Da es heute der schönste Tag war, wurde es auch entsprechend heiß: 31 °C und schwül. Das machte die 1000 Stufen noch anstrengender. Die Lage der höchsten Tempel und der Aufstieg erinnerten mich sehr an Mayrhofen und Zimmereben – allerdings natürlich ohne Tempel.
Am frühen Nachmittag war ich wieder zurück in Sendai und kümmerte mich um ein paar organisatorische Dinge. Zum Beispiel wollte ich einige alte Kleidungsstücke entsorgen, die schon viele Jahre auf dem Buckel hatten, um Gewicht und Platz im Koffer zu sparen – schließlich habe ich ja auch schon neue Kleidung dazugekauft. An der Rezeption fragte ich, wie und wo man alte Kleidung recyceln kann, und wurde – wie schon zuvor von meiner Gastmutter – an Secondhand-Läden verwiesen. Mehrmals betonte ich, dass die Kleidungsstücke abgetragen und nicht mehr für den Weiterverkauf geeignet seien, doch man schickte mich trotzdem dorthin. Also versuchte ich mein Glück in einem Geschäft, konnte die Sachen aber nicht abgeben, da ich eine japanische ID hätte vorzeigen müssen – was natürlich nicht möglich war. So bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als die Kleidung im Hotelzimmer zurückzulassen. Ganz wohl ist mir dabei nicht, da ich schon gelesen habe, was Touristen alles an Unrat hinterlassen. Aber ich habe mein Möglichstes versucht, um es zu vermeiden.
Obwohl ich heute weniger lang und weit gelaufen bin als an den beiden Vortagen, haben mich die 1000 Treppen bei der Schwüle doch ziemlich müde gemacht. Aber ich konnte die Wetterlage sehr gut ausnutzen und habe damit meine Wunschliste in Sendai erfolgreich abgeschlossen.
So schöne Bilder 😍