Das Schlussbouquet und das danach

Das ist er nun – der letzte Blogeintrag aus Japan. Heute ist der 88. Tag und zugleich mein Abreisetag. Aber zuerst noch ein Einblick in die letzten beiden Tage.

Nachdem der Freitag mit dem Besuch der Universal Studios Japan ein körperlich intensiver Tag gewesen war und für das Wochenende viel Regen vorhergesagt wurde, starteten Markus und ich vorgestern gemütlich am späteren Vormittag und gingen zum großen Aquarium in Osaka. Da wir keine Tickets mehr vorreservieren konnten, mussten wir vor Ort etwa eine Stunde warten. Im Vergleich zum Vortag, an dem man effektiv eine Stunde in der Schlange stand, hatten wir diesmal am Schalter Tickets mit einem fixen Zeitslot kaufen können und konnten die Wartezeit im Kaufhaus nebenan verbringen.

Das Aquarium Kaiyūkan ist eines der größten der Welt und bietet beeindruckende Blicke, besonders auf das zentrale Becken. Dort befinden sich auch die Hauptattraktionen: zwei Walhaie. Aber auch Hammerhaie und Mantas schwimmen zwischen „normalen“ Fischen im selben Becken.

Nach dem Besuch im Aquarium teilten Markus und ich uns noch einmal auf – ich hatte nämlich noch eine Mission: meinen weißen Wal. Ich hatte mich zuvor gut vorbereitet und auf Google Maps alle Einzelkartenhändler markiert, die ich finden konnte. Also kämpfte ich mich von Shop zu Shop durch den inzwischen starken Regen. In allen Läden gab es Vitrinen mit teuren Einzelkarten, doch in einem kleineren dieser Shops fand ich nicht nur die gesuchte Edition in der Vitrine, sondern auch unsortierte Boxen mit den etwas günstigeren Karten. Also beschloss ich, mich durch die etwa zwanzig Boxen zu wühlen. Bei der fünften Box, während ich gerade den vorderen Stapel durchging, fiel mir plötzlich etwas auf: Eine Karte weiter hinten stand vielleicht einen Millimeter oben hervor – und von dem bisschen, was ich von der Karte sah, hatte sie genau die richtige Farbe. Ich ließ den aktuellen Stapel liegen, griff nach dieser einzelnen Karte – und zog sie heraus.

Als wollte die Karte zu mir, war sie es – die letzte Karte, mein weißer Wal. Auch wenn ich sie etwas später wohl ohnehin gefunden hätte, kämpfte mein Verstand noch damit, wie unwahrscheinlich es war, genau diese Karte zu ziehen – unter hunderten mit ähnlichem Design –, während sich das wohlige Glücksgefühl explosionsartig in mir ausbreitete.

Von der ersten Suche zwei Tage zuvor wusste ich, dass es in einem der Shops noch eine der seltensten Karten gab, die ich damals aber nicht gekauft hatte, da sie logischerweise etwas teurer war. Nun jedoch, mit der vollständigen Grundversion in der Tasche, wollte ich mir diese Karte als krönenden Abschluss holen. Ich wusste nur nicht mehr genau, welcher der vielen Shops es war. Also zog ich weiter – und entdeckte gleich im nächsten Laden eine weitere dieser seltenen Karten, besser gesagt: die seltenste. Das war eine weitere Überraschung, da nur wenige Shops überhaupt Karten dieser Edition führen und diese normalerweise sofort von Sammlern gekauft werden. Ich gönnte mir also diese Karte. Da es langsam Zeit fürs Abendessen wurde und das Wetter weiterhin extrem ungemütlich war, kam mir die Idee, die Metadaten eines Fotos zu überprüfen, das ich von der anderen seltenen Karte gemacht hatte – und tatsächlich wusste ich nun wieder genau, wo ich hinmusste.

Auf dem Weg zu diesem Shop ging ich noch in ein Geschäft für Anime-Figuren und kaufte mir dort meine ersten Figuren aus Japan überhaupt. Mit dem vorherigen Urlaub zusammen brauchte es also nur rund 105 Tage und den Besuch von mehreren Dutzend Geschäften für Anime-Figuren, bis schließlich meine Zurückhaltung brach. Danach ging es rasch weiter zu der letzten Karte, die noch auf mich gewartet hatte.

Auch wenn die Sammlung technisch noch nicht vollständig ist, fühlte es sich nun genau so an. Vielleicht, weil sie längst mehr geworden war als nur Karten – ein Teil meiner Japan-Odyssee. Und auch der Kauf der Figuren fühlte sich wie ein großer Abschluss einer inneren Reise an, die perfekt gegen Ende einer Geschichte stattfand.

Danach ging es zurück ins Hotel, wo Markus und ich gemeinsam Tonkatsu mit Premium-Fleisch essen gingen. Das Fleisch war unglaublich zart, saftig und genau das Richtige nach diesem langen, regenreichen Tag.

Gestern hatte Markus dann noch die tolle Idee, einen letzten Schrein zu besichtigen und ein Abschluss-Goshuin zu holen. Also fuhren wir am Vormittag zu einem Schrein, der zwar von Touristen überfüllt war, doch wir konnten trotzdem das letzte Goshuin bekommen – und damit erhielt auch diese Sammlung für mich einen runden Abschluss. Danach gingen wir noch ein wenig gemeinsam shoppen. Zurück im Hotel legte ich mich bis zum Abendessen etwas hin – jetzt, da ich einen guten emotionalen Abschluss meines Sabbaticals gefunden hatte.

Während sich der Samstag wie das Schlussbouquet eines Feuerwerks anfühlte, war gestern dann die plötzliche Stille danach – die Momente, in denen man noch die letzten Rauchwölkchen der Feuerwerkskörper beobachtet, bis man schließlich aufsteht und nach Hause geht. Mit diesem Bild im Kopf werde ich heute in den Flieger steigen – mit einem guten Gefühl: der richtigen Balance zwischen Erfüllung, Sättigung meiner Reiselust und der Freude, nach Hause zu kommen. Liebe Familie und Freunde, ich freue mich sehr, euch alle wiederzusehen.

Dies ist aber nicht mein letzter Blogeintrag, denn ich habe vor, nach ein paar Tagen zu Hause – vielleicht am kommenden Wochenende – noch einen abschließenden Beitrag als Gesamtrückblick zu schreiben. Falls es euch interessiert, schaut also in ein paar Tagen noch einmal vorbei.

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