Gleich schon vorneweg: Dieses Wochenende war wieder größte Hitze, daher habe ich einen großen Teil meiner Zeit mit Erholen und Entspannen in meinem Raum verbracht. Die Ausnahme davon war gestern, denn in einem Stadtteil Tokios fand das Azabu-Juban Noryo Matsuri statt. Da es wieder eine von EF organisierte Aktivität war, trafen wir uns an der Metrostation in der Nähe des Festivals.
Schon dort war ich überrascht: So viele Menschen waren unterwegs, dass mehrere Helfer die Besucher in abgesteckte Gänge leiteten. Die Metro selbst lag ganze acht Stockwerke unter der Erde – allein der Weg nach oben dauerte fast zehn Minuten! Trotz der Menschenmassen war unsere EF-Gruppe schnell gefunden. Neben ein paar neuen Gesichtern waren auch einige Bekannte dabei: Juna, unsere Aktivitätsleiterin, Anna aus meiner Klasse und Yannik. Einige Frauen trugen hübsche Kimonos, bei den Männern hatte allerdings keiner ein Yukata an. (Yukata = leichter Sommerkimono)
In der ersten Woche gab es sogar eine EF-Aktivität, bei der man gemeinsam Yukatas und Kimonos bei einem Hersteller anschauen und kaufen konnte. Ich habe sie ausgelassen, weil ich dachte, das Angebot käme öfter – leider ein Irrtum. Schade, dass so etwas nicht kurz vor dem Festival angeboten wurde; der Absatz für den Hersteller wäre sicher groß gewesen. Gestern hätte ich wirklich gern einen Yukata getragen, aber bei der Hitze wollte ich keinen Einkaufs-Marathon starten.
Zuerst gingen wir nicht direkt ins Festgetümmel, sondern zum Juban Inari-Jinja Schrein, der ebenfalls Teil des Festivals war aber an einer Hauptstrasse gegenüber der ganzen Festival Stände. Dort gab es ein spezielles Goshuin, das nur während des Festes erhältlich ist, das habe ich mir natürlich gesichert.
Am Schrein selbst war Programm angesagt: Zunächst spielten Kinder traditionelle Musik, später sollte ein Löwentanz stattfinden.
Wir verabredeten uns, dass jeder erst einmal das Fest selbst erkunden konnte und wir uns rechtzeitig vor dem Tanz wieder treffen.
Gemeinsam mit Yannik stürzte ich mich in die Straßen – und die waren riesig! Verglichen mit Basel wäre es, als würde das ganze Fest vom Bankverein über Barfi, Spiegelhof bis zur Schifflände reichen.
An den Ständen gab es fast ausschließlich Essen und Getränke. Ich probierte gegrillte Xiaolongbao (gefüllte Teigtaschen) und ein traditionelles Erdbeereis aus geraspeltem Eis, Erdbeersauce und Erdbeerkompott.
Köstlich – und bei 46°C natürlich heiß begehrt! Die Menschenmenge war enorm, fast wie bei einer FCB-Meisterfeier. Helfer sorgten dafür, dass alle im Linksverkehr liefen – sonst wäre wohl gar nichts mehr gegangen.
Zurück am Schrein erlebten wir dann den Löwentanz – ein echtes Highlight! Ich habe den ganzen Tanz auf Video festgehalten. Ich zeige ihn gerne, wenn ich wieder zurück bin, da das Video 6 GB gross ist.
Besonders spannend war ein Moment, als Zuschauer Geld in den Mund des Löwen steckten, woraufhin dieser über ihren Köpfen mit dem Kiefer klapperte. Für mich sah es nach einer Art Segen aus – auf jeden Fall ein sehr spezielles Erlebnis.
Für mich war dieser Abend ein voller Erfolg. Genau solche Momente sind der Grund, warum ich diesmal länger in Japan bleibe. In einer Stadt wie Tokio übersieht man leicht, wie tief traditionelle Kultur hier noch verwurzelt ist.
Ich freue mich schon jetzt auf das nächste große Festival in Takayama – dort, in einer viel kleineren Stadt, dürfte der traditionelle Charme noch stärker spürbar sein. Und hoffentlich ist es im September auch etwas kühler!