Butterbier, Besenflüge und ein weißer Wal

Es ist schon wieder Zeit, einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Besonders an diesen Schreibesessions merke ich, wie schnell die Zeit nun vergeht. Es wird auch der vorletzte Eintrag sein, den ich wohl noch aus Japan verfassen werde.

Vorgestern, nachdem ich den letzten Blogeintrag geschrieben hatte, sind Markus und ich zu unserem letzten Stopp in Japan gefahren: Osaka. Die Reise war sehr kurz – Kyoto und Osaka liegen nur etwa 40 Zugminuten auseinander. Den Nachmittag verbrachten wir in Nipponbashi, einem Viertel, das man als kleinen Bruder des Akihabara-Distrikts in Tokio bezeichnen könnte: viele Läden mit Anime-Figuren, Merchandise, Sammelkarten und allerlei anderem. Also genau das Richtige für mich.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, zog ich allein noch einmal los, um weiter nach Sammelkarten zu suchen. Nach mehreren Läden fand ich schließlich einen, der die noch fehlenden Karten, die ich in Kyoto zu sammeln begonnen hatte, im System gelistet hatte. Ich bestellte sie direkt im Shop und freute mich riesig, meine Sammlung bald abschließen zu können. Als der Verkäufer die Karten brachte, meinte er allerdings, dass eine davon wohl bereits ausverkauft sei – was meiner aktuellen Freude gleich die Notbremse zog. Dennoch war die Ausbeute sehr gut. Mal sehen, ob ich bis zur Abreise noch Glück habe und die letzte Karte bekomme – oder ob sie zu meinem „Weißen Wal“ wird. Jedenfalls hat mir das Erkunden des Viertels großen Spaß gemacht. Bei meinem letzten Urlaub vor zwei Jahren hatten wir dieses Viertel komplett übersehen. Da Tokio damals unser letzter Stopp war, hatten wir gar nicht groß nachgeschaut, ob es so etwas Ähnliches auch in Osaka gibt. Und so hat mich meine Sammelleidenschaft wieder einmal an Orte geführt, die ich sonst wohl übersehen hätte. Am Anfang waren es die Goshuin, jetzt die Sammelkarten.

Nach dem Abendessen begann ich, probeweise meinen Koffer für die Rückreise zu packen. Der Grund war, dass ich einerseits in Kyoto angefangen hatte, mehr Souvenirs zu kaufen, und andererseits, dass Markus seit Tokio einen Vakuumbeutel mit meinen neuen Kleidern in seinem Koffer transportiert hatte. Der Gepäcktransport in Japan erlaubt je nach Hotel nur ein Maximalgewicht von 22 bis 24 kg, und da ich leicht darüber war, hatte er freundlicherweise dies für mich mitgenommen. (Für den Rückflug haben wir eine Gepäcklimite von 40 kg – also genug Spielraum für weitere Souvenirs.) Die gute Nachricht: Ich muss keinen zusätzlichen Koffer kaufen. Alles passt in meinen Koffer und ins Handgepäck, und ich habe sogar noch etwas Platz für ein bis zwei weitere Einkäufe.

Gestern ging es dann sehr früh los – wir besuchten nämlich den Vergnügungspark Universal Studios Japan. Dort gibt es einen Themenbereich zu Nintendo, der so beliebt ist, dass man dafür eine spezielle Eintrittskarte benötigt. Die einzige Ausnahme: gleich nach Parköffnung, bevor der Bereich zu voll wird. Also planten wir, eine Stunde vor Öffnung dort zu sein. Schon an der Zugstation begannen viele Parkbesucher an uns vorbeizurennen, um möglichst weit vorne in der Schlange zu stehen. Wir ließen uns davon nicht mitreißen, waren aber ziemlich perplex – sowohl über die Leute, die an uns vorbeirannten, als auch über die bereits wartende Menschenmenge.

Nach Öffnung des Parks gingen wir zügig – aber nicht rennend – in Richtung Super Nintendo World. Hier rannten noch viel mehr Besucher an uns vorbei. Man konnte die Ungeduld der Masse richtig in der Luft spüren. Trotzdem kamen wir ohne Zusatzticket in den Bereich und stellten uns gleich für unsere erste Achterbahn an.

Der restliche Tag war ein typischer Vergnügungspark-Tag: Warteschlange – kurze Bahnfahrt – Shop besuchen – zur nächsten Attraktion gehen. Besonders gefallen hat mir der Harry-Potter-Bereich. Man spürte die Liebe zum Detail, und es gab viel zu entdecken. Gerade die Hauptbahn, ein Dark Ride, war eine echte Überraschung. Man „fliegt“ dabei mit Harry Potter um und in Hogwarts herum. Die Bahnbewegungen sind perfekt auf die Projektionen abgestimmt, sodass man wirklich das Gefühl hat, auf einem Besen hinter Harry herzufliegen. Danach gab es ein kühles Butterbier im edlen Becher.

Ein weiteres Highlight war die Achterbahn The Flying Dinosaur im Jurassic-Park-Bereich. Hier sitzt man nicht aufrecht, sondern die Sitze werden zu Beginn um 90° nach vorn gekippt, sodass man in Richtung Boden schaut. Schon beim Hochziehen, auf den Startpunkt der Bahn, sieht man den immer kleiner werdenden Boden unter sich. Die gesamte Fahrt über bleibt diese Position bestehen – die Bewegungen spürt man also nicht wie gewohnt von vorne nach hinten, sondern von oben nach unten. Besonders die Loopings waren durch die besondere Lage intensiv. Es war echt der Wahnsinn.

Für mich war der Tag auch aus einem anderen Grund etwas Besonderes: Vor zwei Jahren hätte ich die meisten dieser Bahnen nicht fahren können. Wir sahen bei einer der Bahnen einen Fahrgast, der etwas beleibter war und nicht mitfahren konnte bzw. durfte, denn die Sitze haben nicht viel Spielraum. Ich hätte also vor zwei Jahren, ähnlich wie dieser eine Gast, wohl nicht in die Sitze gepasst. Doch diesmal konnte ich alle Attraktionen in vollen Zügen genießen. Gerade da das Sabbatical auch eine Art Belohnung für die Belastung der letztjährigen OP und die Zeit danach ist, war es eine wunderschöne Art, dies nochmals zu würdigen.
Da Markus die ganze Organisation des Tages gemacht hatte, zum Beispiel die Tickets vorbestellt hat, hier noch ein herzliches Danke schön!

Nach etwa elf Stunden im Vergnügungspark waren meine Energiereserven erschöpft und nach dem Abendessen bin ich auch gleich schlafen gegangen.

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