Der heutige Tagesausflug führte mich etwas weiter von Sendai weg und begann daher erneut mit einer Fahrt im Bullet Train. Von dort ging es mit dem Bus weiter nach Hiraizumi. Diese kleine Stadt erlebte ihre Blütezeit zwischen 1100 und 1189 n. Chr., bis sie vom damals aufstrebenden Minamoto Yoritomo zerstört wurde. Kurz darauf wurde Yoritomo der erste Shōgun Japans – und Hiraizumi blieb als geschichtsträchtige, aber stille Ortschaft zurück.
Mein erster Stopp war der Mōtsū-ji-Tempel, dessen Herzstück ein kleiner, von Wald umgebener See ist – sehr ruhig und stimmungsvoll.
Als Nächstes stand der Takkoku no Iwaya auf dem Programm. Da es keine öffentlichen Verkehrsmittel dorthin gibt, nahm ich ein Taxi. Der Tempel, der direkt in die Felswand gebaut wurde, erinnerte mich ein wenig an das Berggasthaus Äscher im Appenzell – nur ohne den steilen Aufstieg.
Nach der Besichtigung war allerdings kein Taxi mehr in der Nähe. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die 6 km zurück in die Stadt zu laufen. Zum Glück war es stark bewölkt, sodass der Weg recht angenehm war – fast wie eine kleine Schlechtwetterwanderung in den Alpen. Mit guter Musik im Ohr wurde daraus eine richtig meditative Strecke. Gleichzeitig fühlte es sich ein bisschen so an, als wäre ich auf den Spuren der alten Pilger unterwegs, die diesen Weg vor Jahrhunderten ebenfalls zu Fuß gingen.
Auf dem Rückweg legte ich einen kurzen Zwischenstopp bei einer Gedenkstätte Takadachi Gikeidō ein, bevor ich weiter zur berühmten Chūson-ji-Tempelanlage wanderte. Dort befindet sich auch das Kinkaku-dō, ein beinahe komplett goldener Pavillon. Um ihn zu schützen, steht er innerhalb eines Gebäudes. Fotografieren ist dort – wie in den meisten Tempelgebäuden – streng untersagt, deshalb habe ich offizielle Bilder der Japan-Tourismus-Seite herausgesucht.



Interessant war für mich, dass ich nach den ersten zwei, drei Tempeln zunehmend weniger Fotos machte und auch nicht mehr jedes Goshuin sammelte. So schön und einzigartig jeder Tempel auch ist – nach einer gewissen Anzahl stellt sich doch eine Art Gewöhnung ein. Fast hätte ich dadurch den goldenen Pavillon am Ende der Anlage verpasst!
Am Ende des Tages hatte ich knapp 20 km zu Fuß zurückgelegt. Zusammen mit den gestrigen Wegen macht das nun 37 km in zwei Tagen! Morgen werden es wohl noch einmal 15 km sein – weshalb ich mich schon ein wenig auf Mittwoch freue: Dann soll es regnen, und ich plane, „nur“ ein Mausoleum direkt in Sendai zu besichtigen.