Die Zeit in Takayama ist nun vorüber. Ich schreibe diesen Eintrag bereits von unserer nächsten Station unserer Japanreise – aber dazu mehr am Ende.
Zuerst noch der zweite Tag in Takayama und beim Festival.
Da es sich bei unserem Hotel um ein typisches japanisches Ryokan handelt, hatten wir auch ein richtig japanisches Frühstück. Dieses beinhaltete Miso-Suppe, Fisch, Fleisch, Ei und Gemüse in den unterschiedlichsten Zubereitungsarten. Abgesehen von den vielen kleinen frittierten Fischen habe ich mich durch fast alles durchprobiert – und es schmeckte sehr gut, auch wenn es, wie erwartet, einiges zu viel für mich war.
Gegen zehn Uhr gingen wir dann wieder in Richtung Altstadt. Diesmal wollten wir aber nicht zum Festival, sondern auf den kleinen bewaldeten Hügel hinter dem Tempel. Vom Tempel aus sahen der Wald und der schmale Weg nämlich sehr einladend aus. Markus fand auf Google Maps auch ein nettes kleines Café. Also liefen wir am ganzen Trubel vorbei und konnten beim „Aufstieg“ die Puppenshow vom Vortag aus der Ferne mithören.
Oben angekommen, gingen wir zu dem ehemaligen Platz der kleinen Burg. Dort sollten noch Überreste zu sehen sein – wir konnten allerdings kaum etwas erkennen. Dafür wurden wir mit einem großartigen Blick auf die höchsten Berge der japanischen Alpen belohnt (drei Gipfel zwischen 3000 und 3200 m).
Auf dem Rückweg kehrten wir in das kleine Café ein, tranken etwas und verewigten uns auf einem Globus, auf dem man sein Herkunftsland markieren konnte. Da Europa schon überfüllt war, habe ich keinen weiteren Pin gesetzt. Markus’ zweite Heimat – Sardinien – war dagegen noch komplett frei, also markierte er diese.
Die frische Zitronenlimonade stellte sich tatsächlich als frisch gepresst und ungesüßt heraus. Es gab aber Sirup dazu, sodass man die Süße selbst bestimmen konnte – eine tolle Idee.
Nach dem Abstieg schauten wir, ob das Festival-Wagenmuseum geöffnet hatte, da wir dachten, dort seien die Frühlingswagen ausgestellt. Das Museum war jedoch geschlossen. Bei einer kleinen Spende für den Erhalt der alten Festival-Wagen kamen wir mit den Organisatoren ins Gespräch – unter anderem über das Festival und die Basler Fasnacht. Es ist schon spannend, wie viele Parallelen man ziehen kann. Der größte Unterschied ist wohl, dass die Wagen hier seit Generationen verwendet und gepflegt werden, also sehr traditionell sind, während unsere Laternen jedes Jahr neu gestaltet werden und aktuelle Themen aufgreifen.
Anschließend spazierten wir nochmals über das Festivalgelände, fotografierten die Wagen und aßen frisch gemachtes Yakisoba (gebratene Soba-Nudeln). Die Standbesitzerin war mit den Portionen extrem großzügig – selbst meine halbe Portion war fast zu viel. Aber es war wieder köstlich. Yakisoba ist definitiv eines meiner Lieblingsgerichte in Japan.
Wir legten dann einen Zwischenstopp im Hotel ein und gingen gegen Abend noch einmal los. Da der letzte Umzug um 16 Uhr geendet hatte, waren fast alle Stände bereits abgebaut, und das zuvor so lebhafte Städtchen war innerhalb von ein bis zwei Stunden fast gespenstisch leer geworden. Dementsprechend mussten wir ein gutes Stück laufen, um zur Hauptstraße zu gelangen. Dort probierten wir noch einmal verschiedene Sake-Sorten und fanden schließlich Platz in einem mexikanischen Restaurant.
Da ich mich schon seit Wochen auf meine selbst gemachten Quesadillas freue, bestellte ich natürlich welche – und obwohl sie sehr gut waren, freue ich mich weiterhin auf meine eigenen 😉.
Damit endete unser letzter Abend in Takayama.
Heute war wieder ein Reisetag. Er begann amüsant: Im Hotelshuttle unterhielten wir uns mit einem Japaner, der Basel kennt, weil seine Frau früher bei Ciba-Geigy gearbeitet hat. Wie erwartet, war der Zug in der normalen Klasse so überfüllt, dass viele im Gang stehen mussten – aber auch in der Green Car (1. Klasse) wurde es eng, da fast alle mit großen Koffern reisten. Wir waren einmal mehr froh, dass wir unser Gepäck jeweils von Hotel zu Hotel schicken lassen – das macht das Reisen wirklich deutlich entspannter.
Hier noch die Google-Maps-Daten von Takayama und Kanazawa:
Am Abend besuchten wir ein kleines Sushi-Restaurant, das Markus entdeckt hatte. Es wird von einem älteren Ehepaar betrieben und bietet gerade einmal acht Gästen Platz. Wir hatten großes Glück, ohne Reservierung noch einen Platz zu bekommen – zehn Minuten später wurden bereits alle weiteren Gäste abgewiesen.
Wir saßen traditionell auf Tatami-Matten, und das Essen war einfach himmlisch – das beste Sushi, das ich je gegessen habe. Auch der eingelegte Ingwer, die selbstgemachte Wasabi-Paste und die Miso-Suppe waren ausgezeichnet.
Danach spazierten wir noch durch die Stadt bis ins Geisha-Viertel. Dort entstanden wunderschöne Nachtaufnahmen der alten Straßen. Wir hatten außerdem Glück, dass wir bei einem Tempel in den abgesperrten Bereich einer sogenannten Rad-Bibliothek, dem Rinzo, durften. Ein freundlicher Japaner erklärte uns, dass dieser Bereich normalerweise nicht zugänglich sei, wir aber kurz hineindürften.
Da die Drehbibliothek etwa 400 Jahre alt ist, darf sie heute nicht mehr bewegt werden. Er meinte jedoch, wenn man einmal darum herumläuft, gelte das als symbolisches Drehen – man glaubt, dass dies dem Lesen aller Sutren gleichkommt.
So haben wir den Reisetag schließlich doch noch mit vielen schönen Erlebnissen abgeschlossen.
Hoi Martial,
Waren auf dem Globus auch viele Pins bei Brasilien?
Nach deiner Rückkehr könnten wir mal wieder Quesadillas im El Mexicano essen gehen 😃
Liebe Grüsse
Hallo Clarissa
Wenn ich mich richtig erinnere waren ein paar Pins bei Brasilien aber nicht flächendeckend wie bei Europa.
Liebe Gruess