Diesen Sonntag stand eine kleine „Tempelolympiade“ auf dem Plan. Ich wusste von mindestens zwei Schreinen, die monatlich neue Goshuins ausgeben. Gestartet habe ich beim Ono Terusaki Schrein, der den darstellenden Künsten gewidmet ist und für seine besonders schönen Goshuins bekannt ist.
Dort hatte ich unglaubliches Glück: Ich bekam ein Sondergoshuin zum 400-jährigen Jubiläum des Schreins an diesem Standort – er wurde damals während des Aufschwungs von Edo hierher verlegt. Dass ich genau zum 400. Jubiläum in Tokio bin, war ein wunderbarer Zufall.
Weiter ging es zum Asakusa Schrein, wo natürlich die Menschenmassen unterwegs waren. Ich nahm mir aber trotzdem die Zeit, die Tempelgasse und ihre vielen Geschäfte zu durchstöbern.
Da es schwül und heiß wurde, fuhr ich in Richtung Tokyo Tower zum Zojo-ji, dem Schrein, bei dem ich meine Sabbatical-Tempeltour gestartet hatte. Auch diesmal hatte ich Glück: Wie vor zwei Jahren lief gerade wieder eine Zeremonie, die sehr eindrucksvoll war.
Eigentlich war ich schon etwas müde. Aber da ich fürs Abendessen abgemeldet war und es noch früh war, beschloss ich, den Meiji Schrein zu besuchen. Dort konnte ich diesmal endlich mein Goshuin bekommen, das mir vor zwei Jahren entgangen war.
Auf dem Weg Richtung Harajuku folgte dann das zweite große Glück: Ich stolperte mitten in eine Matsuri-Prozession! Männer und Frauen trugen drei tragbare Schreine durch die Straßen, begleitet von Rufen und Trommeln. Man glaubt, dass die Gottheit für diese Zeit in den Schrein wechselt und das Viertel segnet. Dieses Erlebnis war reiner Zufall – hätte ich irgendwo ein paar Minuten länger gebraucht oder einen Zug verpasst, wäre ich daran vorbeigegangen. Genau dieser Moment hat mir wieder gezeigt, wie unerwartet sich Japan manchmal öffnet, wenn man einfach losläuft.
Zum Abschluss kam dann noch der dritte Zufall: Eigentlich wollte ich nur vorsorglich etwas Kleines im McDonald’s essen, damit ich am Abend nicht ohne Mahlzeit dastand (jaaa, ich weiss, Sakrileg in Japan in den McDonald’s zu gehen– aber mit dem Magenbypass ist das Essen hier oft schwierig: Portionen groß, Fleischanteil klein, Rhythmus unpraktisch). Also suchte ich mir einen McDonald’s auf der Strecke. Dafür stieg ich in Akasaka aus – und fand mich plötzlich in einer nach Harry Potter gestalteten Umgebung wieder! Rund um die Metro und das Theater, in dem eine Bühnenproduktion läuft, ist alles im Potter-Stil dekoriert. Auch das war völlig ungeplant – und machte den Tag endgültig zu einem besonderen „Glückstag“.
Erschöpft, aber zufrieden ging ich schließlich nach Hause. Diese Tempelolympiade war länger als die vom Samstag – und sicher einer der Tage, die ich nicht vergessen werde.
Montag war dann eher unspektakulär: Unterricht wie gewohnt, Motivation am Tiefpunkt – es ist schließlich meine letzte Woche. Am Nachmittag schlenderte ich noch etwas durch Shinjuku, aber auch dort nichts Besonderes.
Anscheinend habe ich am Sonntag so viel Glück verprasst, dass am Montag auf meinem Glückskonto nur noch Ebbe war.