Kamakura das neue Finanzzentrum

Da gestern ein sehr langer und anstrengender Tag war und heute im Gegensatz dazu eher ruhig verlief, fasse ich dieses Mal Samstag und Sonntag in einem Eintrag zusammen.

Gestartet bin ich um 5:45 Uhr, denn ich wollte nach Kamakura fahren. An diesem Wochenende war wegen des Obon-Fests mit vielen Touristen zu rechnen – viele Japaner hatten Mittwoch bis Freitag frei. Deshalb wollte ich zu den ersten Besuchern gehören und stand pünktlich zur Tempelöffnung vor Ort.

Mein erster Halt war der Engaku-ji-Tempelkomplex, ein weitläufiges Gelände mit mehreren Tempeln. Dort sprach ich einen älteren Japaner an, der ebenfalls ein Goshuin-Cho (Stempelbuch) in der Hand hielt. Ich erklärte ihm auf Japanisch, dass ich die Sprache nur wenig spreche, aber gerade lerne. Er war sehr freundlich und zu meiner Überraschung sehr gesprächig. Zwar habe ich nur einen Bruchteil verstanden, aber der Kontext erschloss sich mir meist. Er gab mir Tipps zu den Goshuin und meinte, ich solle mir in der Zwischenzeit die Tempel ansehen. Für mich war das ein kleines Erfolgserlebnis – genau solche Situationen hatte ich mir durch die Sprachschule erhofft.

Da ich viele Fotos gemacht habe und die meisten bereits in meinem Goshuin-Blog habe, beschränke ich mich hier auf wenige ausgewählte Aufnahmen.

Zu Fuß ging es weiter zum Kencho-ji, dem ältesten Zen-Tempel von Kamakura. Leider war die vordere Buddha-Halle wegen Restaurierung geschlossen, doch der Hauptbereich war geöffnet. Besonders eindrucksvoll war der farbenprächtige Altar mit seiner wunderschönen Deckenmalerei. Hinten im Tempel befand sich zudem ein stiller Garten, in dem ich einfach die Naturgeräusche und den frischen Wind genoss – richtig Zen-mäßig.

Eigentlich wollte ich anschließend zum Bambuswald, stieß unterwegs aber zufällig auf einen großen Shinto-Schrein, der erst später auf meinem Plan gestanden hätte. Die Anlage war beeindruckend, besonders die großen Lotusblütenfelder.

Danach ging es tatsächlich weiter zum Bambuswald. Da es inzwischen Mittag und sehr heiß war, gönnte ich mir bei fast jeder Gelegenheit ein kühles Getränk. Im Gegensatz zum überfüllten Bambuswald in Kyoto war der in Kamakura angenehm ruhig und idyllisch. Ein besonderer Moment war, als eine kleine Steinlaterne im Bambuswald genau vom Sonnenlicht durch das Blätterdach wie von einem Spotlicht angestrahlt wurde – perfekt für ein Foto. Da es hier schön kühl und schattig war, blieb ich länger und beobachtete das Spiel von Licht und Schatten.

Der längste Fußmarsch des Tages führte mich rund 4 km unter der gnadenlosen Sonne zum berühmtesten Wahrzeichen Kamakuras: der 13 Meter hohen Buddha-Statue im Kotoku-in. Unterwegs entdeckte ich zufällig noch den „Finanzplatz“ schlechthin, denn dort steht «Die Bank» – offenbar ist Kamakura also ein noch wichtigerer Finanzplatz als die Schweiz. 😉

Die Buddha-Statue selbst war überwältigend. Fotos können die Wirkung kaum einfangen. Obwohl es sehr voll war, konnte man mit etwas Geduld auch Bilder ohne Menschen schießen. Natürlich ließ ich mir hier ebenfalls mein Goshuin machen. Wegen des großen Andrangs erhielt man dafür einen Jeton mit Nummer und ca. 30 Minuten Wartezeit. Währenddessen drehte ich Videos, besuchte das Innere der Statue und sah mich in den Shops um. Leider verlor ich dabei meinen Jeton – ein Schockmoment, da mein Goshuin-Cho fast voll war. Der Mönch wollte mir das Goshuin zunächst nicht aushändigen, akzeptierte dann aber, nachdem ich ihm über Google Translate Fotos meiner bisherigen Stempel zeigte, dass es tatsächlich meines war. Glück gehabt!

Anschließend besuchte ich den nahegelegenen Hase-dera-Tempel, eine weitläufige Anlage mit einer niedrigen Höhle voller Miniaturstatuen und einem Aussichtspunkt auf mein finales Ziel: den Strand von Yuigahama.

Am Strand angekommen, zog ich die Schuhe aus und kühlte meine müden Füße im Meer. Es war zwar ziemlich warm, aber eine echte Wohltat. Zum späten Mittagessen gönnte ich mir Yakisoba (gebratene Nudeln).

Eigentlich wollte ich bis zum Sonnenuntergang bleiben, doch da meine Haut trotz Sonnenschutzfaktor 50 langsam rötlich wurde und ich ziemlich erschöpft war, trat ich früher die 2,5-stündige Rückreise an. Im Nachhinein die richtige Entscheidung: Unterwegs bekam ich Spannungskopfschmerzen, die sich zum Glück am Abend legten. Nach insgesamt 29 gelaufenen Kilometern, viel Sonne und unzähligen Eindrücken fiel ich abends schnell ins Bett.

 

 

Der Sonntag verlief deutlich ruhiger. Am Vormittag arbeitete ich an den Blogeinträgen zu den einzelnen Tempeln. Am Nachmittag wollte ich aber nicht nur im Zimmer bleiben und fuhr deshalb für ein paar Stunden zum Nakano Broadway. In dieser großen, überdachten Einkaufsstraße mit zahlreichen Läden für Anime-Figuren und Sammlerobjekte fand ich im klimatisierten Inneren eine willkommene Pause von der Hitze. Draußen waren es wieder gefühlte 42 °C.

Nun ist Sonntagabend, und während ich diesen langen Bericht schreibe, bereite ich mich schon auf die Schule morgen vor.

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