Schon wieder sind drei Tage wie im Flug vergangen. Der Wetterbericht hatte für unsere Zeit in Kanazawa zunächst nur Regen vorausgesagt, doch für Sonntag wurde die Vorhersage immer besser. Daher beschlossen Markus und ich, die wichtigsten „Schönwetter-Ziele“ an diesem Tag zu besuchen.
Wir machten uns also früh vom Hotel auf in Richtung eines Starbucks – und entdeckten unterwegs zufällig einen schönen Tempel. Der Goshuin-Schalter war allerdings noch geschlossen, also blieben wir nicht allzu lange, denn der Kaffee rief. Nach dieser Stärkung gingen wir zur Kanazawa-Burg. Soweit wir sehen konnten, ist sie größtenteils rekonstruiert, und der Palastbereich wird derzeit noch nachgebaut. Das Gelände war weitläufig, und da die Sonne immer mehr die Oberhand gewann, ergaben sich viele schöne Szenerien.
Direkt neben dem Burggelände liegt der große Garten Kenroku-en. Er war wunderschön mit kleinen Bächen und einem großen Teich angelegt. Da Sonntag und schönes Wetter war, tummelten sich dort entsprechend viele Besucher. Trotzdem gab es immer wieder ruhige Ecken zum Verweilen – nur bei den besten Fotomotiven musste man etwas Geduld haben. Auch die alten Teehäuser fügten sich wunderbar in die Gartenatmosphäre ein, auch wenn wir keines davon besuchten.
Unser nächstes Ziel war erneut das Geisha-Viertel, diesmal bei Tag. Außerdem wollten wir dort in einem Restaurant essen, das wir am Vorabend entdeckt hatten. Wenn es im Park schon viele Besucher gehabt hatte, dann waren die Straßen hier regelrecht überfüllt. Natürlich hatten wir mit einem großen Andrang gerechnet, aber mittendrin zu stehen, war dann doch noch einmal etwas anderes. Wir waren beide froh, das Viertel bereits am Abend zuvor fotografiert zu haben – damals war es fast menschenleer, und das Licht verlieh dem Ort eine ganz besondere Stimmung. So liefen wir diesmal eher zügig hindurch und gingen zu einem Tempel hinter dem Viertel, wo ich mir wieder ein Goshuin holte.
Unser Plan, dort zu Mittag zu essen, fiel allerdings ins Wasser. Als Alternative suchten wir uns schließlich in einem Einkaufsviertel in der Nähe unseres Hotels ein Restaurant heraus – mit einem kleinen Umweg zu einem Tempel, um dort ein besonders schönes Goshuin zu ergattern. Auf dem Weg durch das Geisha-Viertel stießen wir zufällig auf ein altes Geisha-Haus, das heute als Museum dient, und entschieden spontan, es zu besuchen.
Wir wollten anschließend mit dem Bus zum Restaurant fahren, da wir beide nach dem langen Tag schon etwas erschöpft waren – aber es kam einfach keiner. Nach fast 30 Minuten Warten machten wir uns schließlich doch zu Fuß auf den Weg. Als wir fast am Ziel waren, fuhr der Bus an uns vorbei – brechend voll wie eine Sardinenbüchse. Wir waren da richtig froh, ihn nicht genommen zu haben: Zu Fuß waren wir fast gleich schnell und deutlich entspannter unterwegs. Der Umweg zum Tempel hatte sich ohnehin gelohnt, denn dort gab es wirklich wunderschöne Goshuins, und wir holten uns beide eines.
Danach war dann aber wirklich das Mittagessen dran – dachten wir zumindest.
Gerade als wir an der Kreuzung mit dem Restaurant ankamen, hörte Markus Musik und Gesang: Vor einem Einkaufszentrum trat eine Idol-Gruppe auf. Da es so etwas bei uns nicht gibt, verschoben wir das Essen kurzerhand erneut und schauten uns das Spektakel an. Es war sehr interessant – und teilweise fast surreal: Einige japanische Männer tanzten mit Lichtstäben, sangen mit und feuerten die Gruppe an, fast wie in der Muttenzerkurve bei einem FCB-Spiel. Wir erfuhren dann, dass an diesem Wochenende in Kanazawa ein Festival mit über 160 Idol-Gruppen stattfand! Wie schon bei meiner Soloreise stolperten wir völlig ungeplant mitten in so ein Ereignis hinein – solche Zufälle bereichern mein Sabbatical wirklich sehr. Als diese Gruppe fertig war und die nächste sich vorbereitete, gingen wir schließlich doch etwas essen.
Nach dem Essen schaute ich mir noch ein paar Songs der nächsten zwei Gruppen an und machte mich dann – wie Markus zuvor – ebenfalls auf den Rückweg ins Hotel. Der Tag war wirklich anstrengend gewesen, und wir hatten keine Energie mehr für weitere Unternehmungen.
Am Montag besuchten wir das Viertel mit den alten Samurai-Häusern. Es war interessant, aber nicht so beeindruckend wie das Geisha-Viertel, da die alten Häuser hier eher vereinzelt zwischen modernen Gebäuden standen. Wir wollten auch das Ninja-Waffen-Museum besichtigen, aber schon von außen sah man, dass es sich nur um einen kleinen Ausstellungsraum handelte. Der Hauptanziehungspunkt schien zu sein, dass man dort Shuriken (Ninja-Wurfsterne) werfen konnte – das hatte ich allerdings schon vor zwei Jahren in Kyoto gemacht. Also ließen wir das Museum aus und schlenderten weiter durch das Viertel.
Da ich bereits am Sonntag japanisches Curry essen wollte, wir aber im Geisha-Viertel nicht dazu kamen, hatte Markus diesmal ein tolles Restaurant gefunden: das „Kanazawa Curry Laboratory“. In Japan ist es üblich, dass sich ab 18 Uhr vor vielen Restaurants Schlangen bilden – und so war es auch hier. Als wir ankamen, war die Schlange noch überschaubar, doch wir warteten trotzdem über 30 Minuten. Es hatte sich absolut gelohnt! Man konnte sich das Curry selbst zusammenstellen – Sauce, Reis und Toppings. Ich wählte das „Golden Kanazawa Curry“ mit normalem Reis und einem Schweinefleisch-Käse-Millefeuille-Schnitzel, das aus mehreren dünnen, übereinandergeschichteten Scheiben besteht. Das Ganze kostete umgerechnet gerade einmal 6.50 CHF! Als wir das Restaurant verließen, war die Schlange bereits dreimal so lang wie zuvor – ein deutliches Zeichen, wie beliebt der Laden ist.
Heute war dann wirklich ein Regentag, also streiften wir durch verschiedene Einkaufszentren. Es ist beeindruckend, wie günstig manche Produkte hier sind – zum Beispiel Kleidung.
Für heute Abend haben wir nochmals im Sushi-Restaurant reserviert, in dem wir schon am ersten Tag waren, und ich freue mich sehr darauf, dieses himmlische Sushi erneut genießen zu dürfen.
Morgen geht unsere Reise dann weiter zur nächsten Station.
Vielen Dank für die vielen tollen Berichte, sie haben einige meiner Zugfahrten sehr kurzweilig gemacht!
Genießt die letzten Tage noch!