Miau Miau im Maid Cafe

Heute ging es wieder früh zur Schule – man könnte meinen, ich habe gar keinen Urlaub. Aber Unterricht verpassen und den Anschluss verlieren möchte ich nicht, also hieß es früh aufstehen und ab in den Pendlerverkehr. Ich fühlte mich recht fit, was man nicht von jedem behaupten konnte: Marcus kämpfte heute sichtbar mit den Nachwirkungen vom Vorabend. Er wollte aber unbedingt anwesend sein, auch wenn es für ihn offensichtlich eine Qual war. Für uns andere, vor allem für mich direkt neben ihm, war es allerdings ebenfalls nicht ganz angenehm. Jedenfalls beschäftigten wir uns mit einer weiteren Projektarbeit und mussten eine Präsentation über unser Lieblingsessen und dessen Zutaten machen, was insgesamt ganz gut lief.

Nach der Schule fragte ich Hernan und Joan, ob wir den Nachmittag oder Abend gemeinsam verbringen wollten. Hernan war unschlüssig, also zog ich alleine los. Ich hatte mir ohnehin vorgenommen, noch einmal zum Ono Terusaki-Schrein zu gehen, da ich noch nicht alle Goshuins habe und diese scheinbar monatlich wechseln. Danach schrieb ich Hernan, um mich mit ihm zu treffen, bekam aber keine Antwort. Also suchte ich in dem Viertel weitere Schreine auf, die mir noch fehlten. Nach den letzten angenehm warmen Tagen war es heute wieder richtig schweißtreibend.

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Shoboin, Temple of Tobi-Fudo

Da ich mich bei meiner Gastfamilie für das Abendessen abgemeldet hatte und noch nicht nach Hause wollte, überlegte ich, was ich machen könnte – und entschied mich, endlich einmal alleine in ein Maid Café zu gehen. Nach etwas Recherche fand ich das „Akiba Zettai Ryoiki Café“, in dem die Maids als Katzenmenschen verkleidet sind, also Katzenohren tragen, Englisch sprechen können und das zudem sehr gute Bewertungen hatte. Also ging es wieder einmal nach Akihabara.

Für alle, die sich mit diesem japanischen Trend nicht auskennen: Ein Maid Café ist ein themenbasiertes Café. Es gibt ausschließlich junge Kellnerinnen, meist zwischen 18 und 25 Jahren, die europäische Dienstmädchenuniformen tragen. Sie begrüßen die Gäste als „Hausherren“ und bedienen sie mit süßen, verspielten Aussagen. Dieses Setting findet man oft in Animes und Mangas, und die Cafés bieten eine Art Rollenspiel für Fans. Wichtig: Es handelt sich nur um ein Rollenspiel mit klaren Grenzen – jeglicher Körperkontakt oder persönliche Fragen sind verboten, und Fotos von den Maids selbst sind ebenfalls nicht erlaubt.

Es war ein durchaus interessantes Erlebnis. Als ich ins Café kam und zu meinem Tisch begleitet wurde, musste ich zunächst die Augen schließen. Plötzlich setzten sie mir einen Haarreif mit Katzenohren auf.

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Zum Bestellen sagte man nicht einfach „Sumimasen“ oder „Excuse me“, sondern rief „Miau Miau“. Jedes Mal, wenn etwas serviert wurde, sprachen die Maid und ich gemeinsam einen kleinen Glückszauber aus, begleitet von Handgesten – meist formte man mit den Händen ein Herz, um dem Essen oder Getränk „magisches Glück“ einzuhauchen. Die Maids erklärten einem vorher genau, was man machen sollte. Einmal habe ich es auch auf Japanisch versucht. Am meisten Spaß hat man in einem Maid Café, wenn man wirklich mitmacht. Da es alle Gäste so handhaben, wirkt es auch nicht befremdlich, sondern ist einfach ein gemeinsames Spiel.

Ich gönnte mir ein Dessert-Combo, das aus einer Art Eis mit Erdbeerparfait und einem Erdbeershake bestand. Die Maid malte dabei mit Erdbeersauce eine Katze in den Milchschaum. Zum Dessert gehörte auch ein Polaroid-Foto mit einer der Maids. Das werde ich aus Respekt nicht online stellen, aber gerne in der Schweiz zeigen.

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Nach diesem Abenteuer machte ich mich auf den Rückweg. Neben dem Blogschreiben sitze ich jetzt noch an der Planung für morgen – und da muss ich wieder ganz früh raus.

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