Verwöhnt durch japanische Perfektion

Gestern haben wir Kanazawa verlassen. Die Stadt hat uns sehr gut gefallen – eine tolle Mischung aus Großstadtflair und dennoch etwas kleiner und entschleunigt. Wir hatten dort wirklich hervorragendes Essen entdeckt, und auch das alte Geisha-Viertel ist sehr sehenswert.

Beim Warten auf den Shinkansen kamen wir mit zwei Amerikanern ins Gespräch. Wir tauschten uns über die verschiedenen Orte aus, die wir in Japan bereits besucht hatten oder noch besuchen wollten. Einer der beiden hatte sogar schon dreimal in Japan gelebt, war aber trotzdem sehr begeistert von einigen unserer Destinationen – darunter Takayama.

Die Zugfahrt danach war kurz, da wir in derselben Präfektur blieben. An der Zielstation angekommen, wurden wir von einem ruhigen, aber sehr schön gestalteten Bahnhof überrascht. Wir wunderten uns zunächst, warum der Shinkansen an einem so kleinen Ort überhaupt hält – das Rätsel klärte sich jedoch schnell: Als wir den Bahnhof verließen, entdeckten wir Wegweiser für Taxis, Busse und … Onsen-Shuttlebusse. Offenbar handelt es sich um einen Kurort, was auch den Namen der Station erklärt: Kagaonsen. (Onsen sind heiße Bäder mit natürlichem Thermalwasser.)

Mit einem dieser Shuttles wurden wir zu unserem Ryokan gebracht – und schon der Eingangsbereich war beeindruckend.

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Eingangsbereich
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Garten von Teeraum aus

Da im Shuttle mehrere Gäste waren, ließen wir die anderen beim Check-in zuerst vor und machten es uns in der Lobby mit einer Tasse Tee gemütlich, während wir warteten. Dort wurden wir gefragt, ob wir Matcha-Tee möchten, und kurz darauf in einen kleinen Teeraum direkt neben der Lobby geführt. Von dort hatten wir den ersten Blick in den wunderschönen Innenhofgarten. Ich kann es nicht genau erklären, aber die Japaner haben einfach ein unglaubliches Gespür dafür, Gärten harmonisch und ästhetisch zu gestalten.

Nach dem Tee mussten wir nicht mehr zur Rezeption zurück – das Check-in wurde direkt in unserer 70 m² großen Wohnung erledigt. Wir wussten zwar durch die Buchung, dass wir etwas Besonderes gewählt hatten, aber es übertraf unsere Vorstellungen. Unsere Wohnung hatte einen direkten Zugang zum Innenhofgarten – und wie wir schnell bemerkten, war das bei keinem anderen Zimmer der Fall. Außerdem verfügten wir über ein eigenes privates Onsenbad, ganz für uns allein.

Was wir allerdings nicht erwartet hatten, war das Abendessen: Uns wurde ein traditionelles japanisches elfgängiges Gourmetmenü serviert – mit kleinen Appetizern, Sashimi (rohem Fisch), Shabu-Shabu (Fleisch- und Gemüsefondue in Wasser) und vielem mehr. Ich habe mich tapfer durch die ersten Gänge gegessen, musste aber wegen meines Magen-Bypasses mit den Mengen haushalten und konnte drei Gänge gar nicht mehr probieren.

Das Frühstück heute Morgen war dann etwas kleiner – nur etwa drei Gänge –, aber ebenso vielseitig und liebevoll angerichtet.

Da es heute den ganzen Tag geregnet hat, habe ich mich mehrfach im heißen Onsen entspannt. So herrlich wohltuend! Das Abendessen war erneut sehr umfangreich, aber ausgesprochen köstlich. Die Gerichte waren so fein abgestimmt, dass bei jedem Gang ein anderer Geschmackssinn angesprochen wurde.

Nun sitze ich pappsatt und vom heißen Bad völlig entspannt im Wohnzimmer, lausche dem Zirpen der Grillen und schreibe diesen Blogeintrag. Es ist unser letzter Abend in diesem Ryokan – morgen geht es weiter zur vorletzten Station: Kyoto.

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