Von Tempeln zu neuester Technik

Vorgestern endete unser Entspannungszwischenstopp im edlen Ryokan. Wir wurden noch einmal mit einem großen japanischen Frühstück verwöhnt – darunter wieder einiges an Fisch. Um ehrlich zu sein: Nach vier großen Mahlzeiten mit jeweils mehreren Gängen verschiedener Fischarten und Zubereitungsweisen war mein Bedarf an Fisch mehr als gedeckt. So lecker es auch war, ich freute mich doch auf etwas andere Gerichte.

Gegen Mittag ging es dann mit dem Zug nach Kyoto. Da die Züge so schnell fahren, muss man oft etwas Zeit zwischen Check-out und Check-in überbrücken – so auch diesmal. Daher sind wir vom Bahnhof Kyoto nicht direkt zum Hotel, sondern haben einen kleinen Zwischenstopp im Yodobashi Camera eingelegt. Das ist ein riesiger Elektronikladen, den man sich wie den großen Bruder von Media Markt vorstellen kann.

Als ich damals in Tokio an der Sprachschule war, hatte ich gehört, dass gerade eine neue Tamagotchi-Version einen echten Hype auslöst. Ich hatte ja schon den Boom der ersten Generation in Europa miterlebt und dachte mir, dass es aus Nostalgie ganz cool wäre, ein japanisches Tamagotchi mitzubringen. Als ich später von meiner Soloreise zurück in Tokio war, versuchte ich eines zu finden – aber weder dort noch in einem anderen Geschäft während der Reise, und auch nicht im Yodobashi Camera in Kyoto, war eines erhältlich – sie waren überall ausverkauft. Kein Wunder, die neueste Version war erst vor zwei Monaten überhaupt auf den Markt gekommen. Also hatte ich mich nach dem Besuch im Yodobashi damit abgefunden, keines zu bekommen.

Gleich danach schauten wir uns noch eine große Tempelanlage an, bevor wir zum Hotel gingen. Dieses liegt direkt im belebtesten Einkaufsviertel Kyotos. Nach all dem Fisch der letzten Tage hatten wir beide Lust auf etwas Gewohnteres – und gingen Pizza essen. Auf dem Rückweg entdeckten wir zufällig einen kleinen Toys “R” Us. Wir gingen eher aus Gewohnheit hinein, ohne große Erwartungen – und siehe da: genau dieser unscheinbare Laden hatte alle Modelle der aktuellen Tamagotchi-Generation vorrätig! Natürlich habe ich sofort zugeschlagen.

Zurück im Hotel musste ich das neue Gerät natürlich gleich ausprobieren. Leider waren keine Batterien beigelegt, also bin ich noch einmal kurz raus in einen Combini Store – ein 24/7-Geschäft, ähnlich einem Coop Pronto – und habe dort Batterien gekauft. Diese Läden sind einfach unglaublich praktisch, und ich werde es vermissen, jederzeit Dinge einkaufen zu können.

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Gestern war dann etwas früher Tagwacht, da laut Wetterbericht einer der besseren Tage für einen Ausflug bevorstand. Also stand Nara auf dem Programm. Zuvor machten wir noch einen Zwischenstopp in Uji, ein Tipp von einem Kollegen von Markus, und schauten uns dort einen sehr ikonischen Tempel an.

Wie ihr aus meinen früheren Berichten wisst, laufe ich gerne noch zu weiteren Tempeln, die ich auf Google Maps entdecke. So auch diesmal – und wir wurden mit einem besonders schönen Goshuin belohnt. Auf dem Rückweg zum Bahnhof planten wir gerade, mit dem Zug nach Nara zu fahren und dort zuerst ein Restaurant fürs Mittagessen zu suchen. Wir beide hatten Lust auf Curry, und genau in dem Moment stieg uns der Duft von Curry in die Nase. Wir waren buchstäblich über ein Restaurant abseits der Touristenstraße gestolpert – und da sich gerade eine Regenwolke über uns bequem gemacht hatte, passte das perfekt. Das Curry war herrlich – was auch die Google-Bewertung von 4,7 / 5 bestätigte.

Gesättigt und entspannt ging es weiter zu unserem zweiten Ziel: Nara. 

Als wir in Nara am Bahnhof einfuhren, sahen wir gerade einen wunderschön verzierten Zug abfahren – reich geschmückt mit goldenen Ornamenten und kunstvollen Details. Später entdeckten wir ein Poster, das genau diesen Zug zeigte: Es handelte sich um die Einweihungsfahrt eines neuen Sonderzugs. Einmal mehr hatten wir also ganz zufällig das Glück, genau im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

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Nach dieser kleinen Überraschung machten wir uns auf den Weg zu den bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ich war bereits einmal in Nara, für Markus war es der erste Besuch. Also übernahm ich ein wenig die Führung und zeigte ihm den Park und die Tempelanlagen. Über das gesamte Gelände verteilt leben mehrere Hundert Rehe und Hirsche, die in Japan sehr bekannt sind, weil sie an Menschen gewöhnt sind. Man kann dort spezielle Obladen kaufen und die Tiere damit füttern. Dabei „verbeugen“ sie sich – ähnlich wie die Japaner selbst –, bevor sie die Oblade entgegennehmen.

Als ich das letzte Mal hier war, sahen die Tiere etwas mitgenommen aus, da sie gerade das Winterfell verloren. Dieses Mal waren sie deutlich schöner anzusehen. Es war auch witzig zu beobachten, wie manchmal bis zu zehn Tiere einem Touristen hinterherliefen, nur weil er noch Obladen in der Hand hielt.

Bei der ersten Tempelanlage, Kofuku-ji, bemerkte ich, dass Besucher diesmal in einen der Tempel hineingehen konnten – das war beim letzten Mal nicht möglich. Also sahen wir uns genauer um und entdeckten, dass man Tickets für die Innenräume kaufen konnte. Dort fanden wir auch ein besonders schönes Goshuin: ein filigraner Scherenschnitt auf weißem Papier mit goldener Folie dahinter. Dieses schöne Stück hatte ich das letzte Mal verpasst – diesmal habe ich natürlich gleich zugeschlagen. In den Tempeln waren viele beeindruckende Statuen, doch wie üblich durfte man dort keine Fotos machen.

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Danach ging es weiter zur größten Tempelanlage Naras: Todai-ji. Schon das riesige Eingangstor ist größer als viele ganze Tempel und beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Die große Buddha-Halle übertrifft das natürlich noch – schließlich muss dort eine 15 Meter hohe Buddha-Statue (ohne Sockel und Fächer dahinter) Platz finden. Die Anlage wurde im 8. Jahrhundert gegründet. Natürlich mussten sowohl das Gebäude als auch die Statue seither mehrfach wiederaufgebaut werden, aber es ist dennoch beeindruckend, dass in Japan schon damals solche Bauwerke entstanden. Während man hier riesige Bronzestatuen goss, hatte man in Europa gerade erst begonnen, grundlegende Handwerkstechniken wiederzuerlernen.

Anschließend verließen wir die Menschenmassen und gingen zu einem ruhigeren Teil der Anlage, etwas höher am Hang gelegen. Dort befindet sich ein Tempel mit fantastischem Blick über Nara. Direkt daneben liegt ein kleines Café, das japanische Süßigkeiten serviert. Ich gönnte mir ein Eis, Markus einen Matcha auf Eis – perfekt zur Pause.

Danach ging es zurück zum Hauptteil der Anlage, wo wir noch das Museum besuchten, das ich bisher nicht kannte. Dort gab es weitere beeindruckende Statuen, darunter einige Tonfiguren aus dem 8. Jahrhundert. Die Handwerkskunst dieser Zeit ist wirklich erstaunlich. Nach dem Museumsbesuch war unser Ausflug beendet.

Am Abend schlenderten wir nach dem Essen noch gemütlich durch die überdachte Einkaufsstraße – ein entspannter Abschluss eines wunderschönen Tages.

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