Die Insel Enoshima

Freitag
Am Donnerstagabend, kurz nachdem ich den letzten Eintrag geschrieben hatte, kam in der Schul-App eine Warnung: Für Freitag galt eine Taifunwarnung für ganz Tokio. Der Unterricht sollte aber wie geplant stattfinden, und falls sich daran etwas ändern würde, bekämen wir erneut Bescheid. Laut Internet sollte der Taifun südlich der Küste Japans vorbeiziehen – also machte ich mir keine allzu großen Sorgen.

Da ich bis Freitagmorgen nichts Weiteres von der Schule gehört hatte, fuhr ich wie gewohnt früh los. Freitags beginnt der Unterricht ja bereits um 8:50 Uhr. Dieses Mal kam ich allerdings ein paar Minuten zu spät, da mein Zug unterwegs über 20 Minuten stillstand. Woran es genau lag, wurde nicht erklärt. Am Wetter konnte es kaum gelegen haben – zu der Zeit regnete es nur leicht, mit etwas Wind. In der Schule selbst bekam ich vom Wetter ohnehin wenig mit ausser: Vom 36. Stock aus war die Aussicht praktisch gleich null.

Da wieder Projekttag war, spielte das Wetter aber sowieso nur eine Nebenrolle. Unsere Aufgabe: ein Werbeposter auf Japanisch für ein Event aus unserem Heimatland gestalten. Zusätzlich sollten wir das Event kurz erklären – was gar nicht so leicht war, weil uns das passende Vokabular fehlte. Ich habe viel Zeit gebraucht, konnte meinen Text diesmal nicht auswendig lernen. Bei der Präsentation musste ich dann abgelesen. Trotzdem reichte es wieder für ein A-. Ganz verstehen tue ich die Bewertungskriterien zwar nicht, aber zufrieden bin ich natürlich.

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Juan hatte diese Woche dagegen große Schwierigkeiten. Er meinte, dass er sich bisher stark auf Hernan verlassen hatte. Da Hernan aber letzte Woche abgeschlossen hat fehlt ihm jetzt einiges an Stoff. Er hat den Lehrer gefragt, ob er in eine andere Klasse wechseln darf, um Inhalte zu wiederholen. Mal sehen, ob er am Montag noch bei uns ist. Abschlüsse gab es diesmal keine – der nächste bin dann ich, schon nächste Woche!

Nach dem Unterricht blieb ich zunächst im EF-Gebäude, da laut Wetterbericht der Taifun gegen 17 Uhr über Tokio hinwegziehen sollte. Doch schon um 15 Uhr wurde ich hinauskomplimentiert, weil die Schule freitags früher schließt. Zum Glück habe ich es dann trotzdem geschafft, trocken nach Hause zu kommen. Den Abend habe ich genutzt, um endlich meine dreiwöchige Reise nach der Sprachschule zu planen: Programm und Hotels stehen jetzt fest! Nur die Flüge und Shinkansen muss ich noch buchen. Die Route führt mich nach Sendai, Himeji, Hiroshima, Matsuyama und schließlich nach Naha (Okinawa), wo ich die Reise mit drei Tagen Strandurlaub in einem Resort beenden werde – die perfekte Vorbereitung, um danach gestärkt mit Markus drei Wochen gemeinsam weiterzureisen.

Samstag
Heute stand eine EF-Aktivität auf dem Programm: ein Ausflug zur Insel Enoshima. Die Insel ist über eine Brücke zu Fuß erreichbar. Dort angekommen, führte uns ein traditionelles Sträßchen direkt zu einem Tempel, wo wir auch zu Mittag aßen. Viele entschieden sich für die lokalen Fischspezialitäten, aber ich blieb vorsichtshalber bei einem klassischen Katsudon.

Nach dem Essen besichtigten wir den Tempel – ein Goshuin durfte natürlich nicht fehlen – und gingen anschließend weiter zu einer Höhle. Der Weg führte etwa einen Kilometer quer über die Insel, durch kleine Gassen mit Restaurants und über viele Treppen. Es war schwül, aber sehr idyllisch. Die Höhle selbst war vom Meer in den Fels gewaschen. Früher glaubte man, dass sie bis zum Mt. Fuji reichen würde – was natürlich nicht stimmt. In ihr befindet sich heute eine Statue eines steinernen Drachen. Danach ging es den ganzen Weg zurück – inklusive aller Treppen.

Zum Abschluss machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Strand, bevor wir zurück nach Tokio fuhren. Mit Anna ging ich dann noch in Shibuya Soba essen, ehe wir uns trennten.

Ausblick
Eigentlich wollte ich morgen nach Nikko fahren, aber der Tag war anstrengender als erwartet – vielleicht auch wegen der Medikamente. Daher habe ich meinen Plan geändert: Stattdessen mache ich eine Tempeltour in Tokio. Dieses Jahr war ich noch nicht in Asakusa, und außerdem möchte ich bei ein paar Schreinen nach neuen Goshuin zum Monatswechsel schauen. Der Vorteil: Den Ausflug kann ich spontan meinen Kräften anpassen.

2 Kommentare zu «Die Insel Enoshima»

    1. Ja, diese Woche ist nun meine letzte in der Schule. Ich bin aber doch auch froh darüber, denn ich freue mich sehr auf das herumreisen. Es war doch eine anstrengende Zeit mit der Sprachschule.

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