Ein Sprung ins Meer entfacht Urlaubsgefühl

Freitag

Auch diesen Freitag bin ich trotz meiner immer noch hartnäckigen Erkältung in die Schule gegangen. Auf dem Programm stand wie gewohnt eine Präsentation. Das Thema diesmal: ein Beispiel-Tagesablauf in Japan. Interessant war, dass ausdrücklich verlangt wurde, dass die Präsentation nicht nur Text enthalten durfte. Genau das ist einer der Punkte, die mich an der Schule manchmal stören – auch wenn es mich persönlich nicht groß betrifft. Die zwei Stunden waren allerdings recht knapp bemessen, sowohl für die Erstellung der Folien als auch fürs Auswendiglernen des Textes. Meine Präsentation war vielleicht nicht so schön gestaltet wie die der anderen, dafür versuche ich, den japanischen Text frei vorzutragen. Zwar klingt es dadurch nicht ganz so flüssig, aber offenbar schätzt der Lehrer das sehr – ich konnte mich wieder verbessern und habe erneut ein A erhalten.

Nach der Schule hatte ich einen besonderen Termin: zum ersten Mal in Japan ging es in einen Haarsalon. Mein Mitbewohner bei der Gastfamilie hatte mir Cut&Go empfohlen, da man dort online über ein englisches Formular reservieren konnte. Viele andere Salons, die ich angeschaut hatte, boten nur japanische Seiten oder hätten einen Anruf erfordert. Vor Ort war der englischsprachige Coiffeur gerade beschäftigt, aber mit Google Translate konnte ich meine Wünsche problemlos vermitteln. Mein Haarschnitt ist zum Glück nicht kompliziert. Es war spannend zuzusehen: der japanische Perfektionismus war deutlich zu sehen – jeder Schnitt saß präzise, auch wenn er zügig arbeitete. Das Ergebnis gefällt mir sehr gut, nur an meinen beiden Wirbeln hätte er ruhig noch etwas mehr wegnehmen können. Ich habe ihn zwar darauf hingewiesen, und er hat noch nachgeschnitten, aber es blieb etwas länger, als ich es gewohnt bin.

Anschließend bin ich noch in Shibuya ein paar Kleinigkeiten für den täglichen Bedarf einkaufen gegangen.

Damit endete auch mein vierter Freitag hier – und gleichzeitig mein erster voller Monat in Japan. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht: schon ein Drittel meines Sabbaticals ist vorbei. Einerseits fühlt es sich an, als wäre ich gerade erst angekommen, andererseits habe ich in diesen vier Wochen schon so viel erlebt, gelernt und gesehen, dass es sich fast wie ein kleines Leben im Zeitraffer anfühlt.

Samstag

Für Samstag hatte ich geplant, der Hitze in Tokio – gefühlte 45 °C – zu entkommen und einen gemütlichen Tag am Strand in Kamakura zu verbringen. Juan und Anna haben sich angeschlossen. Die Anreise war etwas chaotisch, weil wir aus verschiedenen Richtungen kamen, aber letztlich klappte es gut. Da Juan und Anna noch nie in Kamakura waren, haben wir zuerst die große Buddha-Statue und den Hase-dera-Tempel besucht. Für mich hat sich das sehr gelohnt: es gab ein neues besticktes Goshuin, und ich habe dort ein wunderschönes Goshuin-Buch entdeckt und gleich gekauft.

Danach ging es endlich an den Strand. Wir haben erst in einem Strandrestaurant zu Mittag gegessen und wollten dann ins Meer. Während ich schon umgezogen war, zögerten die beiden anderen – von „nicht die richtigen Sachen dabei“ bis „doch früher heimgehen“ kamen mehrere Gründe auf. Also haben wir nur kurz gemeinsam im Wasser gewatet. Schließlich verabschiedete ich mich, brachte meinen Rucksack ins Schließfach und ging alleine schwimmen. Und das war herrlich! Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Japan hatte ich echtes Urlaubsgefühl.

Ich bin stolz auf mich, dass ich diesen Tag so umgesetzt habe. Früher hätte ich wohl weder die Reise alleine organisiert noch wäre ich nach dem Rückzug der anderen geblieben. Für mich war aber schon am Freitag klar: ich gehe am Samstag ins Meer, egal wie der Tag sich entwickelt.

Gegen 17 Uhr machte ich mich auf den Rückweg, legte noch einen Stopp in Shibuya ein, um in einem bekannten Restaurant Abend zu essen, und war gegen 21 Uhr wieder zuhause.

Dort traf ich die Gastmutter, die gerade zwei neue Studenten einwies. Der Mexikaner, der schon vor mir hier gewohnt hatte, ist am Samstag abgereist. Die beiden neuen Schüler sind 16 Jahre alt, kommen aus Indonesien und bleiben jeweils eine Woche. Einer von ihnen hat das Zimmer direkt über mir und war etwas lärmig – aber ehrlich gesagt hat mich die Erkältung mit starkem Husten ohnehin länger wachgehalten.

Heute Morgen habe ich fast keine Stimme mehr vom vielen Husten. Falls sich das bis morgen nicht bessert, werde ich überlegen, ob ich einen Tag in der Schule aussetze. Heute jedenfalls bleibe ich im angenehm gekühlten Zimmer (26 °C) und beginne mit der Planung meiner drei Wochen nach der Sprachschule – bei derselben Hitze wie gestern ist das sicher die bessere Wahl.

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